Outsourcing von Web-Entwicklung: Was soll schon schief gehen?

‘If you deprive yourself of outsourcing and your competitors do not, you’re putting yourself out of business’
Lee Kuan Yew, Gründungsvater des modernen Singapur.

Nun, da Sie eine Sekunde Zeit haben, um darüber nachzudenken, lassen Sie uns etwas besprechen, das viele Unternehmen bei der Entscheidung, bestimmte Dienstleistungen auszulagern, nicht berücksichtigen oder gar als möglich erachten – die „Schattenseite“ des Outsourcings.

In den letzten zehn Jahren ergriffen Unternehmen zunehmend die Gelegenheit, ihre Produktions- und Entwicklungskosten zu senken, indem sie Dienstleistungen an Drittanbieter auslagerten.

Dabei ist Outsourcing nichts Neues – es hat immer existiert.

Doch erst jetzt hat sich der Schwerpunkt auf die Auslagerung von Softwareentwicklung an Unternehmen, die über das erforderliche Know-how verfügen, um einen Auftrag zu wesentlich geringeren Kosten als es in-house möglich wäre zu erledigen, verlagert.

 

Verschiedene Arten des Outsourcings

 

Outsourcing gibt es in zwei Hauptformen: Offshoring und Nearshoring.

Beide Arten beschreiben die Beauftragung eines Dritten, um ein Projekt abzuschließen, und bieten natürlich sehr ähnliche Vorteile.

Sie haben jedoch leicht unterschiedliche Nachteile.

Der Hauptvorteil, den wir durch jede Art von Outsourcing erhalten, ist die Möglichkeit, die Entwicklungskosten zu senken.

Das schließt auch die Kosten und Mühen des aufwändigen Personalbeschaffungsprozesses, Schulungen etc. für interne Mitarbeiter mit ein.

Stattdessen können Sie ganz einfach die Dienste spezialisierter, geschulter und zertifizierter Fachkräfte in Anspruch nehmen – zu sehr geringen Stundenlöhnen.

Außerdem bleiben Sie fast vollständig flexibel. Eine Zusammenarbeit mit Ihrem Outsourcing-Partner erfolgt in der Regel auf Projektbasis. Langfristige Bindungen sind Schnee von gestern.

Auch Ihr Risiko wird durch das Outsourcing reduziert. Ihr Outsourcing-Anbieter übernimmt Verantwortung in Bezug auf Projektabwicklung und -ablauf.

Der wohl entscheidendste Faktor ist jedoch wohl der Folgende: Jeder tut das, worin er am Besten ist.

Sie haben Zeit sich auf Ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und ihr Outsourcing-Partner übernimmt den Rest.

So gut es zunächst klingt, es gibt auch die Schwierigkeiten, die mit dem Outsourcing verbunden sind.

Kommunikationsprobleme aufgrund von Sprachbarrieren sind dabei am Häufigsten. Aber auch Fehler im Projektablauf aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten und Zeitzonenunterschieden sind an der Tagesordnung.

Zum Glück gibt es viele Tools, die Ihnen helfen können, diese Probleme zu reduzieren. Allerdings sind diese natürlich nur so gut wie die User. Sie sollten deswegen von Anfang an Regeln für die Benutzung bestimmter Projektmanagement festlegen – und meist im Projektverlauf immer wieder daran erinnern.

Natürlich kann es zudem versteckte und zusätzliche Kosten geben, die ursprünglich nicht berechnet wurden – das macht das Projekt dann letztendlich oft deutlich teurer als erwartet und kann sogar das Budget sprengen. Stellen Sie deswegen sicher, dass sie genaue Absprachen z.B. bezüglich kostenloser Nachkorrekturen treffen. Welche anderen Faktoren Sie außerdem vor Projektbeginn mit Ihrem Outsourcing-Partner festlegen sollten, erfahren sie hier.

Ein weiterer Faktor, den viele nicht bedenken sind Unterschiede zwischen den Zeitzonen und dementsprechend Arbeitszeiten und unterschiedliche Feiertage. Was zunächst lapidar klingt, kann wenn es vor Projektabschluss doch einmal eng wird äußerst nervenaufreibend sein.

Die letzte Schwierigkeit beim Outsourcing ist vielleicht die Wichtigste: Sie müssen stets genau bedenken, welche Informationen Sie an Ihren Outsourcing-Partner weitergeben.

Um sicherzustellen, dass keine Betriebsinterna nach außen dringen, sollten Sie Ihre Partner eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen lassen.

 

Offshoring

Offshore-Outsourcing bezieht sich auf die Arbeit mit einem Unternehmen in einer völlig anderen geografischen Region.

Würde also beispielsweise ein Einzelhandelsunternehmen aus den USA ein Softwareentwicklungsunternehmen aus China, Indien oder sogar der Ukraine als vertrauenswürdigen Partner für die Entwicklung seiner Website auswählen.

Der Hauptgrund, warum sich die meisten Unternehmen für Offshoring entscheiden, sind die unschlagbar niedrigen Kosten.

Doch Vorsicht, was zunächst gut klingt, muss nicht immer gut sein.

Lassen Sie uns jedoch die Vor- und Nachteile von Offshoring untersuchen.

Die Vorteile von Offshoring liegen auf der Hand:

  • Geringere Kosten: Der Hauptgrund für das Outsourcing – niedrige Stundensätze – ist im Offshoring sehr offensichtlich. Der Stundensatz für Entwickler aus Ländern wie Indien und China beträgt meist unter 20 USD. Billiger geht Webentwicklung wirklich nicht.
  • Zeitzonenvorteile: Wenn Remote-Teams in einer anderen Zeitzone arbeiten, können Sie sicher sein, dass es rund um die Uhr Kunden- und technische Supportteams gibt, die sicherstellen, dass Ihre (Website) ordnungsgemäß funktioniert.
  • Globaler Talentpool: Sie erschließen einen viel größeren Talentpool. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie qualifizierte Fachkräfte finden, die den gleichen Qualitätsstandards bieten wie Entwickler in westlichen Ländern – zu einem Bruchteil der Kosten.

Die Nachteile können Sie jedoch veranlassen, Ihre Entscheidung zu überdenken:

 

  • Kommunikationsbarrieren: Sie werden gezwungen sein mit Menschen zu arbeiten, die entweder nur über Grundkenntnisse in Ihrer Muttersprache verfügen oder sie überhaupt nicht sprechen.Sie müssen also entweder mit einer Handvoll Personen kommunizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht fließend Deutsch sprechen oder auf Englisch ausweisen und hoffen, dass es nicht zu viele Missverständnisse gibt.Vertrauen Sie uns, es raubt jede Menge Energie, wenn Sie versuchen eine exotische Interpretation der englischen Sprache in einem Skype-Meeting zu verstehen.Eine Garantie, dass die Gegenseite so wirklich verstanden hat, was Sie von ihm wollen gibt es fast nie. Das ist nur was für Menschen mit starken Nerven.
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  • Unterschiedliche Kultur- und Arbeitsgewohnheiten: Auch wenn Offshoring-Unternehmen normalerweise versuchen, sich Ihrem Zeitplan anzupassen, machen unterschiedliche nationale und religiöse Feiertage, ein anderer Ansatz zur Problemlösung und unterschiedliche Arbeitsgewohnheiten im Allgemeinen die Zusammenarbeit häufig zeitintensiv und nervenaufreibend. Schnell werden Sie realisieren: Auch Sie müssen Ihrem Partner entgegenkommen.
  • Zeitzonendifferenz: Unterschiedliche Zeitzonen sind für den technischen Support ein riesiger Vorteil. Rund um die Uhr garantierte Erreichbarkeit – alles dank unterschiedlichster Zeitzonen. Wenn Ihr Offshore-Team jedoch insbesondere in zeitkritischen Situationen nicht umgehend reagieren kann, kann dies zu mitunter kostenintensiven Beeinträchtigungen Ihres Unternehmens führen.
  • Unvollständige oder mangelhafte Projekte: Ein weiteres ernstes Problem, das beim Offshoring auftreten kann, sind die zusätzlichen Kosten, die durch die Lieferung eines unvollständigen oder fehlerhaften Produkts entstehen. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Das Problem bleibt, Ihr Partner ist nicht bereit bzw. in der Lage, das Projekt entsprechend Ihrer Vorstellungen abzuschließen. Und ganz ehrlich, wie gut schätzen Sie Ihre Aussichten ein, wenn Sie auf mangelnde Vertragserfüllung in Ländern wie Indien oder Pakistan klagen? Nicht gerade rosig. Am Ende bleibt häufig nur die Konsultation eines örtlichen Entwicklers, der den Schaden behebt bzw. das Projekt zu Ende bringt. Das verursacht erhebliche zusätzliche Kosten.
  • Entfernung: Es ist wichtig, dass Sie Ihre Partner kennenlernen. Ein Besuch bei ihnen und ein Treffen mit dem Team, mit dem Sie zusammenarbeiten, ist ein riesiger Vorteil. Beim Offshoring kann dies jedoch sehr kostspielig und zeitaufwändig sein.

Nearshoring

Nearshore-Outsourcing ist die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das geografisch doch etwas näher basiert ist – auch wenn es sich immer noch in einem anderen Land oder einer anderen Region befindet.

Ein Einzelhandelsunternehmen aus Deutschland könnte sein Softwareentwicklungsprojekt in ein anderes europäisches Land auslagern. Nach Polen, Ungarn oder Bulgarien beispielsweise.

Aber hilft das? Was sind die verschiedenen Vor- und Nachteile?

Einige Vorteile von Nearshoring sind:

  • Gleiche Zeitzone: Wenn Sie einen Partner aus einem nahe gelegenen Land beauftragen, tritt kein oder nur ein sehr geringer Zeitunterschied auf. Das bedeutet, dass Sie die gleichen oder sehr ähnliche Arbeitszeiten haben, sodass sich die Vereinbarung von Besprechungen immens vereinfacht.
  • Kaum kulturelle Unterschiede: Ihr Nearshore-Team wird höchstwahrscheinlich eine (etwas) andere Kultur haben, klar. Meist sind es allerdings keine drastischen Unterschiede. Weiterer Vorteil: Wenn Sie sich auf demselben Kontinent (Europa) aufhalten, gelten dieselben allgemeinen Gesetze und Bestimmungen, sodass Sie sich nicht zu sehr um rechtliche Angelegenheiten sorgen müssen. Außerdem haben Sie weniger Probleme mit den Arbeitsgewohnheiten, der Entwicklungsmethodik, dem Projektmanagement und der allgemeinen (Arbeits-) Kultur.
  • Kostengünstig: Ja, Nearshoring ist teurer als Offshoring. Sie erhalten jedoch hochqualifiziertes und gut ausgebildetes Personal aus einer benachbarten Region. Die Stundensätze der Entwickler sind höher, dafür liefern sie herausragende Qualität. Da sie regelmäßig mit Unternehmen in Ihrem Markt und in Ihrer Sprache zusammenarbeiten haben Sie bei jedem Projekt einen entscheidenden Vorteil.
  • Nähe: Im Gegensatz zum Offshoring können Sie beim Nearshoring Ihre Partner besuchen und häufiger persönliche Treffen abhalten. Das persönliche Kennenlernen und die Zusammenarbeit im selben Raum wirken sich immer positiv auf die Produktivität aus. Und das Ganze ist im Vergleich zeit- und kostengünstig. Sie könnten sogar einen Besuch des Entwicklerteams in Ihrem Unternehmen einplanen.
  • Schnellere Problemlösung: Wenn sich Ihre Partner in derselben Zeitzone befinden, gelten die gleichen Arbeitszeiten. Wenn Sie also auf ein Problem stoßen, können Sie sofort mit Ihren Partnern kommunizieren. So finden Sie die Ursache – ohne einen ganzen Arbeitstag auf eine Antwort warten zu müssen.

Es gibt jedoch noch einige Nachteile, die Sie berücksichtigen sollten:

  • Höhere Kosten als Offshoring: Nichts ist günstiger als Offshoring-Preise. Denken Sie jedoch an die Probleme, die durch Kommunikationsprobleme und zeitverzögerte Antworten entstehen können, sowie an die Kosten für die Behebung dieser.  Dann sind höhere Stundensätze vielleicht kein ganz so schlimmer Nachteil mehr.
  • Kulturelle Affinität: Auch wenn Zeitzone und Arbeitszeit gleich sind, gibt es dennoch gewisse kulturelle Unterschiede, wie unterschiedliche Feiertage und kulturelle Nuancen.
  • Weniger Anbieter: Die Auswahl eines Nearshore-Partners ist möglicherweise schwieriger, da weniger Unternehmen zur Auswahl stehen. Statt auf gut Glück ein Unternehmen auszuwählen, sollten Sie die Unternehmen genau recherchieren, Feedback von ihren Mitarbeitern einholen und eine fundierte Entscheidung treffen.

Welche Art von Outsourcing passt zu mir?

Wenn Sie sich für einen Nearshore- oder Offshore-Webentwicklungspartner entscheiden, müssen Sie eine Reihe von Faktoren berücksichtigen: Kultur und Kommunikation, Entwicklungsmethodik, spezielle Technologien und verschiedene Arten des Projektmanagements.

Wenn Sie eine klare Vorstellung davon haben, welche Art von Website Sie erstellen wollen und welche Ziele Sie verfolgen, können Sie den perfekten Outsourcing-Partner recht einfach finden.

Beide Outsourcing-Modelle haben Vor- und Nachteile. Es ist wichtig, dass Sie die Art und Qualität des Service, den Sie einkaufen, und die Einschränkungen jedes Modells kennen, damit Sie das Modell auswählen können, mit dem Sie die gewünschten Ergebnisse erzielen werden.

Regionales Outsourcing in Ihrem Heimatland, in Nachbarländern oder in derselben Zeitzone ist jedoch in der Regel leichter zugänglich und verringert die mit dem Outsourcing verbundenen Risiken erheblich.

Es gibt weniger oder keine Sprachbarrieren und Unterschiede in der Arbeitszeit. Außerdem bietet Nearshoring-Outsourcing auch eine bessere Transparenz und kulturelle Übereinstimmung. Zwei wesentliche Aspekte für den Aufbau einer produktiven Outsourcing-Beziehung und die Vermeidung von Verzögerungen bei der Projektabwicklung.

Als Entscheidungshilfe haben wir eine Liste mit Fragen zusammengestellt, die für die Entscheidung wichtig sind. Wägen Sie die Vor- und Nachteile ab. Besonders entscheidend: bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, sprechen Sie mit dem Team, das die Arbeit für Sie erledigt soll. Sie müssen wissen, wer für Sie arbeitet. Nur so funktioniert eine effektive und reibungslose Projektabwicklung.

 

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